Baumkontrolle per App: Sichtkontrolle, Maßnahme und Nachweis für jeden Stadtbaum

November ist Sturmzeit. Nach jedem Unwetter stehen Bauhof und Grünflächenamt vor denselben Fragen: Welche Bäume müssen wir uns sofort ansehen? Wann wurde der Baum vor der Grundschule zuletzt kontrolliert? Und ist das Totholz, das im Sommer notiert wurde, inzwischen entfernt? Die Antworten stehen oft verteilt in Kontrollbögen, im Baumkataster am Büro-PC und in E-Mails an den Bauhof. Eine Baumkontrolle per App bringt Sichtkontrolle, Maßnahme und Nachweis in einen Ablauf, direkt am Baum erfasst. Dieser Beitrag zeigt, was die Verkehrssicherungspflicht verlangt und wie Kommunen die Baumkontrolle mit Blupassion organisieren.

Schaubild Baumkontrolle per App in vier Schritten: Baum aufrufen, Sichtkontrolle erfassen, Maßnahme beauftragen, Erledigung belegen.

Inhalt

Verkehrssicherungspflicht: was Kommunen leisten müssen

Wer Bäume an Straßen, auf Plätzen, in Parks oder auf Schulhöfen besitzt, muss dafür sorgen, dass von ihnen keine vermeidbare Gefahr ausgeht. Bei Straßenbäumen und Bäumen an öffentlichen Parkplätzen liegt diese Verkehrssicherungspflicht in der Regel bei der Kommune.

Was das konkret heißt, hat die Rechtsprechung über Jahrzehnte ausgeformt. Für Straßenbäume wird nach einer Zusammenfassung der Rechtslage grundsätzlich eine Sichtkontrolle zweimal im Jahr verlangt, einmal im belaubten und einmal im unbelaubten Zustand. Solange dabei keine Auffälligkeiten wie dürre Äste, Beschädigungen oder Risse erkennbar sind, ist keine weitergehende Untersuchung erforderlich.

Gleichzeitig verlangt niemand absolute Sicherheit. Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 6. März 2014 (III ZR 352/13) klargestellt: Bricht von einem gesunden Baum ohne vorherige Anzeichen ein Ast ab, gehört das grundsätzlich zu den naturgebundenen und daher hinzunehmenden Lebensrisiken. Das gilt auch für Baumarten wie Pappeln, bei denen solche Brüche häufiger vorkommen. Besondere Maßnahmen über die übliche Kontrolle hinaus sind dann nicht geschuldet.

Daraus folgt: Entscheidend ist, dass die übliche Kontrolle ordnungsgemäß stattgefunden hat. Kommt es zum Streit, geht es genau um diese Frage, und beantworten lässt sie sich nur mit einer vollständigen Dokumentation.

Die FLL-Baumkontrollrichtlinien als Maßstab

Wie eine ordnungsgemäße Kontrolle aussieht, beschreiben die Baumkontrollrichtlinien der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau). Sie sind seit 2004 das Standardwerk für Kontrollen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen und definieren auf Grundlage der BGH-Rechtsprechung unter anderem Umfang, Zeitpunkt und Häufigkeit der Kontrollen. Die Rechtsprechung nimmt immer wieder Bezug auf sie.

Die aktuelle Ausgabe von 2020 hat das Grundgerüst beibehalten, darunter die Entwicklungsphasen der Bäume und die Tabelle der Regelkontrollintervalle. Aktualisiert wurden Details, unter anderem zur Dokumentation. Neu ist ein Abschnitt zu den Grenzen von Baumkontrollen. Wie oft ein Baum kontrolliert wird, hängt damit von Entwicklungsphase, Zustand und Standort ab und ist für jeden Baum festzulegen und nachzuhalten.

Wo die Baumkontrolle in der Praxis hakt

  • Erfassung draußen, Kataster drinnen. Kontrolliert wird auf dem Gehweg, gepflegt wird im Büro. Dazwischen liegen Kontrollbögen, Notizen oder Diktate, die später abgetippt werden.
  • Maßnahmen verlieren sich. Totholz entfernen, Krone einkürzen, Untersuchung beauftragen: Der Auftrag geht per E-Mail oder Zettel an Bauhof oder Fachfirma. Ob und wann er erledigt wurde, kommt oft nicht zurück.
  • Sturmlagen sind Ausnahmezustand. Nach einem Unwetter müssen Sonderkontrollen priorisiert, Hinweise aus der Bevölkerung aufgenommen und Bereiche gesperrt werden, alles gleichzeitig.
  • Externe liefern PDF. Beauftragte Baumkontrolleure übergeben Berichte, die wieder von Hand in den Bestand übertragen werden.
  • Fristen hängen an Einzelnen. Wann welcher Baum wieder fällig ist, weiß oft eine Person. Fällt sie aus, fehlt der Überblick.

So funktioniert die Baumkontrolle per App

  1. Baum aufrufen. Über Baumnummer oder Standort öffnet die Kontrolleurin den Datensatz des Baums: Art, Entwicklungsphase, letzte Kontrolle, offene Maßnahmen.
  2. Sichtkontrolle erfassen. Wurzelbereich, Stammfuß, Stamm und Krone werden strukturiert abgefragt. Auffälligkeiten werden mit Foto dokumentiert, das nächste Kontrolldatum wird festgelegt.
  3. Maßnahme beauftragen. Ist etwas zu tun, geht der Auftrag mit Foto, Dringlichkeit und Frist direkt an den Bauhof oder die beauftragte Fachfirma.
  4. Erledigung belegen. Die ausführende Stelle meldet die Erledigung mit Foto zurück. Kontrolle, Maßnahme und Erledigung bleiben zum Baum dauerhaft abrufbar.

Wichtig: Die App ersetzt nicht die Fachkunde. Die Kontrolle bleibt Aufgabe qualifizierter Personen, etwa zertifizierter Baumkontrolleure. Die App sorgt dafür, dass ihr Ergebnis vollständig, sofort und ohne Abtippen dort ankommt, wo es gebraucht wird. Wo bereits ein digitales Baumkataster existiert, bringt sie die Kontrolle dorthin, wo sie stattfindet. Wie die Daten mit dem vorhandenen System zusammenkommen, klären wir je nach System über eine Schnittstelle oder einen Export.

Wenn der Sturm kommt: Bürger einbinden

Bei Unwettern sind die Augen der Bevölkerung wertvoll. Über eine Stadt-App melden Bürgerinnen und Bürger abgebrochene Äste oder umgestürzte Bäume mit Foto und Standort, so wie es der Mängelmelder per App für Schlaglöcher oder defekte Laternen zeigt. Die Meldung landet beim Bauhof, nicht im überlasteten Telefon. Umgekehrt informiert die Stadt per Push-Nachricht über gesperrte Parks, Friedhöfe oder Wege.

Ein Ablauf für mehrere Kontrollaufgaben

Die Baumkontrolle folgt demselben Muster wie andere Prüfpflichten einer Kommune: Objekt aufrufen, prüfen, Mangel beauftragen, Erledigung belegen. Wer den Ablauf einmal eingeführt hat, nutzt ihn auch für die Spielplatzkontrolle, den Winterdienst oder die Aufträge zwischen Rathaus und Bauhof. Das gilt nicht nur für Kommunen: Auch Kita- und Schulträger, Wohnungsunternehmen und Friedhofsverwaltungen haben Bäume in ihrer Verantwortung.

Für Kommunen ist Blupassion damit mehr als eine Kontroll-App: eine Plattform, über die Verwaltung, Bauhof und Bürger Informationen und Anliegen austauschen. Einen Überblick gibt die Seite Apps für Städte und Kommunen.

Häufige Fragen

Wie oft müssen Kommunen Bäume kontrollieren? Das hängt von Entwicklungsphase, Zustand und Standort des Baums ab. Die FLL-Baumkontrollrichtlinien enthalten dafür Regelkontrollintervalle. Für Straßenbäume verlangt die Rechtsprechung grundsätzlich eine Sichtkontrolle im belaubten und im unbelaubten Zustand.

Haftet die Kommune für jeden abgebrochenen Ast? Nein. Nach dem BGH-Urteil vom 6. März 2014 (III ZR 352/13) gehört ein Astbruch an einem gesunden Baum ohne vorherige Anzeichen grundsätzlich zum hinzunehmenden Lebensrisiko. Voraussetzung ist, dass die übliche Kontrolle ordnungsgemäß erfolgt ist.

Was gehört in die Dokumentation einer Baumkontrolle? Mindestens der Baum, das Datum, die kontrollierende Person, der Befund, gegebenenfalls die angeordnete Maßnahme mit Frist, deren Erledigung und der nächste Kontrolltermin.

Ersetzt eine App das Baumkataster? Nicht zwingend. Sie kann eigenständig genutzt werden oder ein vorhandenes Kataster ergänzen, indem sie die Erfassung vor Ort und die Beauftragung des Bauhofs übernimmt.

Wer darf Baumkontrollen durchführen? Fachkundige Personen. Die FLL bietet dafür eine Zertifizierung als Baumkontrolleur an. Die App unterstützt die Kontrolle, ersetzt aber nicht die fachliche Beurteilung.

Nächster Schritt

Nehmen Sie den Baumbestand, für den die Kontrolle am dringendsten nachweisbar sein muss, etwa an Schulen, Kitas und Hauptstraßen. Wir zeigen Ihnen, wie Kontrolle, Auftrag an den Bauhof und Erledigung für diese Bäume in einem Ablauf zusammenkommen.

Kontrolliert, beauftragt, erledigt – für jeden Baum belegt

Ob Ihre Baumkontrollen heute auf Kontrollbögen, im Baumkataster am Büro-PC, über externe Gutachten oder bisher gar nicht einheitlich dokumentiert werden: Wir gehen einen Kontrollablauf mit Ihnen durch und zeigen, wie Befund, Auftrag an den Bauhof und Erledigung in einem Ablauf zusammenkommen.

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